Grundausbildung bei der Bundeswehr in Brandenburg

Gepostet am 7. Dezember 2017 um 14:28 Uhr
Foto: Julian Stähle




So sieht also eine Grundausbildung bei der Bundeswehr​ in Brandenburg aus. Wir haben junge Rekruten in Beelitz und auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin begleitet, herausgekommen ist eine spannende Reportage von Julian Stähle​ und Michael Bergemann.

Der entscheidende Tag für die jungen Rekruten in der Grundausbildung beginnt mitten in der Nacht in der Kaserne in Beelitz: Alarm – die Soldaten der 5. Kompanie des Logistikbataillon 172 starten ihre Abschlussprüfung. In Windeseile werden die Sachen zusammengepackt, Waffen ausgegeben und alles im Transportfahrzeug verstaut. Dann geht es los, doch schon bald endet die Fahrt abrupt: Feindbeschluss, der Konvoi wurde mitten im Feindesland gestoppt, das Fahrzeug angesprengt. Die Gruppe muss sich zu Fuß weiter durchschlagen – soweit das Szenario der 30-stündigen-Gefechtsübung auf dem Truppenübungsplatz Lehnin als Höhepunkt der Grundausbildung bei der Bundeswehr.

Foto: Julian Stähle

Mitten dabei die beiden Rekruten Christina Kobylasch aus Neuruppin und Konstantin Stienemeyer aus Köln. Die beiden jungen Soldaten haben sich freiwillig zur Bundeswehr gemeldet. „Es war schon immer mal meine Absicht zur Bundeswehr zu gehen, erzählt Stienemeyer, der ursprünglich aus Griechenland kommt, unserem Kamerateam. Wir durften die beiden Soldaten zusammen mit ihrer Einheit hautnah bei ihrer Übung begleiten. Das hieß für unsere Journalisten aber genauso wie für die richtigen Soldaten, rein in den Tarnanzug, Gepäck im Rucksack verstauen und Zähne zusammenbeißen. Das in Beelitz beheimatet Logistkbataillon 172 ist seit Juli 2013 dem Logistikkommando der Bundeswehr in Erfurt unterstellt. Im Schwerpunkt unterhält es eine „Logistische Basis Einsatzland“ und stellt somit die Logistik sowie Transporte von Großgerät und Nachschubmaterial bei Einsätzen der Bundeswehr sicher. Im Rahmen der dreimonatigen Grundausbildung in dieser Einheit erlernten die Rekruten alle Grundfertigkeiten des Soldatenhandwerks.

Foto: Julian Stähle

Wie Oberleutnant Berkow, Chef der Einheit, erläutert, werden den Soldatinnen und Soldaten nun in dieser Übung alle Sachen, die in der Grundausbildung gelernt wurden, abverlangt. Sei es das Bergen von Verletzten, ABC-Alarm, Marschieren nach Kompass und vieles mehr.

Foto: Julian Stähle

Bei Temperaturen um den Gefrierpunt geht es kilometerweit durch die Dunkelheit. Plötzlich Feindbeschuss, die Soldaten schwärmen aus, ducken sich hinter Bäume und in Mulden. Schüsse hallen durch die Nacht, Leuchtraketen erhellen das unwirkliche Szenario mitten im Brandenburger Wald. Doch die Übung ist eine gute Vorbereitung auf das, was im weiteren Leben der Soldaten kommen kann. Bei der derzeitigen Sicherheitslage müssen die jungen Rekruten immer damit rechnen, selbst einmal in einem Auslandseinsatz in solche Situationen zu kommen. „Man hat nicht viel Zeit nachzudenken in solchen Situationen“, beschreibt der junge Soldat, „Noch ist ziemlich früh, sind ja noch in der Grundausbildung, aber wenn ich irgendwann mal an der Front eingesetzt werde, ist der Gedanke zwar erschreckend, aber man kann sich das schon vorstellen. Angst hat man immer, steht schließlich das eigene Leben auf dem Spiel, aber gemeinsam steht man das schon durch.“

Foto: Julian Stähle

Nach zahllosen Stunden Marsch durch die Nacht ist der Lagerplatz endlich erreicht. Doch von Rast kann lange noch nicht die Rede sein: Zelte müssen aufgebaut, Feuerholz gesammelt werden – die Posten werden eingeteilt und dann heißt es immer wachsam sein. Der – wenn auch diesmal nur imaginäre – Feind lauert überall. Und tatsächlich kommen die Soldaten kaum zur Ruhe: Mitten in der Nacht wird das Lager erneut angegriffen, alle müssen raus aus den Zelten, die Stellungen besetzen und den Angreifer zurückschlagen. Dann heißt es ein letztes Mal aufbrechen, Ausrüstung zusammenpacken und zum Sammelplatz marschieren. Nach 30 Stunden sieht man den jungen Rekruten die Strapazen in den Gesichtern an: Soldatin Kobylasch ist sichtlich erschöpft: „Es war persönlich sehr anspruchsvoll und hart, man kann es einfach nicht beschreiben, da man so gut wie gar keinen Schlaf bekommen hat. Ich bin total fertig, man will am liebsten tot umfallen, aber jetzt müssen wir nochmal die Zähne zusammenbeißen, um nach Hause zu kommen“.

Christina Kobylasch | Rekrutin bei der Bundeswehr

Auch ihr Ausbilder, Oberleutnant Berkow, ist zufrieden, sieht aber auch noch Verbesserungspotential bei seinen Schützlingen: „Es haben alle bisher durchgehalten. Wir haben sämtliche Punkte überprüft. Meine Gruppe hat sich teilweise ganz gut geschlagen, teilweise ist es noch ausbaufähig, manchmal habe ich das Gefühl, es mangelt an der Konzentration“.

Michael Berkow | Oberleutnant bei der Bundeswehr

Kein Wunder – denn die Truppe ist nun schon fast eineinhalb Tage ununterbrochen auf den Beinen, Schlaf gab es kaum. Dann endlich erreicht die Truppe den Sammelplatz. Hier gibt es für die Rekruten eine freudige Überraschung: Die Ausbilder verleihen allen Soldaten ihre blauen Litzen, die sie von nun an als Angehörige der Logistiktruppen kennzeichnen. Mit Stolz überreicht Oberleutnant Berkow der Rekrutin Kobylasch mit einem Schlag auf die Schulte die Auszeichnung. Die junge Soldatin kann ihre Rührung über diesen Moment kaum verbergen: „Ich fühle mich unbeschreiblich, das sind Freudentränen!“ Auch Konstantin Stinemeyer zieht für sich ein positives Fazit aus den Strapazen: „Wir haben sehr viel gelernt und viele neue Leute kennengelernt während der Grundausbildung. Und vor allem Kameradschaft erfahren, egal was man macht – wenn man zusammenhält schafft man das alles“. Und dann geht es den langen Weg zurück zur Kaserne, zu Fuß im Laufschritt durch die Nacht. (NonStopNews-Brandenburg)

Konstantin Stienemeyer | Rekrut bei der Bundeswehr

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Autor
Michael Bergemann