Lesung | Stefan Aust im Domstiftsgut Mötzow

Gepostet am 5. Januar 2017 um 15:08 Uhr
Stefan Aust
Foto: N24 Media GmbH | Oliver Schulze

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Am Freitag, 27. Januar 2017 wird der bekannte Autor und Journalist Stefan Aust aus seinem 2016 erschienenen Buch “Hitlers erster Feind“ im Domstiftsgut Mötzow lesen. Stefan Aust war von 1994 bis 2008 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und ist heute Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“. In dem Buch spürt Aust der Frage nach, wie es möglich ist, dass Antidemokraten Aufwind bekommen, wie es ihnen gelingen kann, mit gefährlichen Ideologien Stimmung zu machen. Im Mittelpunkt des Buches steht der Journalist Konrad Heiden. Dieser gehörte zu den Ersten, die den Aufstieg der NSDAP publizistisch dokumentierten – in Deutschland, und später aus dem Exil. „Es schaudert einen fast, wenn man liest, wie Heiden über die ersten Versammlungen der Nazis in München in den frühen 1920ern schreibt: ‘Hitler sah nach nichts aus – ein Mann, wie von der Stange gekauft‘ “, sagt Kulturvereinschef und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der Aust nach Brandenburg eingeladen hat. Heiden erkannte damals: Hitler vermochte es, mit seinen billigen Antworten in ungewissen Zeiten Menschen in den Bann zu ziehen. Und damit auch die zu mobilisieren, die die etablierten Parteien der Mitte schon verloren hatten. Heiden sah damals ein „Zeitalter der Verantwortungslosigkeit“ aufziehen. „In ganz anderer Form und unter neuen Vorzeichen passt dieser Begriff auch auf unsere Zeit“, sagte Steinmeier vor einigen Wochen mit Blick auf das Buch von Aust.

Hitlers erster Feind

Foto: Rowohlt Verleag

Was also ist zu tun, um sich heute gegen ein neues „Zeitalter der Verantwortungslosigkeit“ zu stemmen? Im Wirken Konrad Heidens, so meint Steinmeier, erkenne er Prinzipien, an die sich Politik halten sollte: Zum einen die klare und ehrliche Analyse, der Blick auf die Realität. Heiden ging zu den frühesten Parteisitzungen und Hitler-Auftritten und beschrieb, was er sah. Heiden berichtete luzide, nüchtern, mit spitzer Feder und klarem Blick, auch wenn die Realität nicht seinen eigenen normativen Vorstellungen entsprach. Das habe ihm einiges an Überwindung abverlangt. „Heute mag uns das, mit Blick auf die Realitäten, mit denen wir es weltweit zu tun haben, ähnlich gehen. Und auch heute müssen wir im Journalismus wie in der Politik bereit sein, genau hinzuschauen, zu differenzieren und zu analysieren; die Graustufen wahrzunehmen. Und nicht vorschnell zu urteilen, wo die Sehnsucht nach klaren, schnellen Antworten am größten ist, etwa in Syrien“, so Steinmeier bei der Vorstellung des Buches im Vorjahr. Nach der Lesung werden Aust und Steinmeier über das Werk von Konrad Heiden und aktuelle Bezüge reden und mit dem Publikum diskutieren. (Friedrich Chr. Perker | Kulturverein Brandenburg an der Havel e. V.)

Autor
Michael Bergemann

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