„Alle Nähe fern“ | Musikalische Lesung mit André Herzberg

Gepostet am 9. November 2017 um 13:59 Uhr
Foto: André Herzberg




Am 20. November findet um 19 Uhr eine musikalische Lesung mit André Herzberg im Interkulturellen Zentrum am Gotthardtkirchplatz statt. Herzberg ist Sänger der Band Pankow und Schriftsteller. Er liest aus seinem autobiografischem Roman „Alle Nähe fern“.

Die Geschichte einer jüdischen Familie, drei Generationen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Pfarrer Philipp Mosch: „Lakonisch und bildgewaltig erzählt André Herzberg von der generationsübergreifenden lebenslangen Sehnsucht nach Bindung und Zugehörigkeit: zu einem Land, zu einer Partei, zu einer Familie. Und von Fremdheit zwischen Vätern und Söhnen. Er wird dazu auch einige seiner Lieder singen. Die musikalische Lesung findet im Rahmen der ökumenischen Friedensdekade statt.“

Er war mit seiner Band „Pankow“ einer der bekanntesten Rockmusiker der DDR: André Herzberg, geboren 1955 in Ostberlin, Sohn linientreuer Kommunisten. Sie waren aus der Emigration in England heimgekehrt und hatten ihr Judentum gleichsam „abgegeben“, um sich nicht dem Misstrauen der Partei oder antisemitischen Vorurteilen auszusetzen. In der Familie steht „die Sache“ über allem. Über Themen, die der „Sache“ nicht dienen, herrscht Sprachlosigkeit. Die Eltern, deren Ehe nicht hält und die über so Vieles schweigen, erscheinen dem Sohn wie Fremde. André Herzberg rebelliert: Er sucht sich eine andere Welt, die Musik. Die Band wird seine neue Familie. Nach dem Mauerfall kommen die Krisen: 1998 löst sich „Pankow“ auf.

Erst 2011 kommt die Band wieder zusammen, feiert erneut Erfolge auf der Bühne. Und Herzberg schreibt drei Bücher, das jüngste trägt den Titel: „Alle Nähe fern“. Im Buch und im Leben hat er sich auf die Suche begeben danach, worüber so lange Sprachlosigkeit herrschte, in der Familie und in einem ganzen Staat: die eigene jüdische Identität.

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Autor
Michael Bergemann