Tag der Deutschen Einheit im Brandenburger Dom

Gepostet am 6. Oktober 2016 um 16:37 Uhr
Tag der Deutschen Einheit im Brandenburger Dom
Foto: SKB

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Im voll besetzen Brandenburger Dom gab am Abend Horst Teltschik einen Einblick in die Machtgefüge der Weltpolitik. Der ehemalige Vizechef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl und langjährige Vorsitzendee der Münchner Sicherheitskonferenz gewährte den Brandenburgern als heutiger Festredner bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit einen Blick hinter die politischen Kulissen der Wendezeit. So revolutionär die damaligen Ereignisse waren, so nüchtern bewertet Teltschik sie heute: „Angesichts der aktuellen Ereignisse ist man geneigt zu sagen: ´Geschichte lehrt uns – aber keiner scheint geneigt zuzuhören.“ Dann zählt er auf: regionale Kriege nehmen zu, eine Vielzahl neuer Krisenherde entwicklt sich, es gibt Massenfluchten und Flüchtlingswellen. „Gleichzeitig erodieren friedenssichernde Staatengemeinschaften wie die EU. Wir haben diese nach dem zweiten Weltkrieg gegründet um dauerhaft Frieden sicherzustellen und wussten alle, das wird nicht einfach werden. Nun erleben wir die Gefahr, dass sich ein Prozess der Renationalisierung ergibt – welch ein Wahnsinn. Nationalismus ist der Grund für die Kriege in Europa gewesen.“

Einheitsfeier im Dom zu Brandenburg 2016

Immer wieder erläutert der Sicherheitsexperte die Einstellung Russlands und kritisiert, dass neuere Politiker-Generationen hier nicht mehr den Dialog auf Augenhöhe suchen. Wenn Obama das Land als „Regionalmacht“ abwerte, breche er mit seinen Vorgängern und bekomme durch Russlands Aktivitäten, z.B. in Syrien, klar vor Augen geführt, welchen Anspruch die Russen haben. Horst Teltschik: „So revolutionär 1989 und 1990 waren: die Vielzahl von Chancen sich dadurch eröffnet haben, wurden nicht wirklich genutzt.“ Gleichzeitig erinnerte an die Dramatik hinter den Kulissen, von denen viele Bürger Deutschlands nur wenig mitbekommen haben. So habe es im Januar 1990 im Bundeskanzleramt helle Aufregung gegeben, weil man dringend auf ein Gespräch mit Gorbatschow gewartet habe und über die Medien erfuhr, dass der Russe alle Auslandstermine abgesagt hat. „Wir mussten nicht warum“, gesteht Teltschik. Später kam raus: Man diskutierte in Moskau in diesen Tagen und Wochen noch ernsthaft – also im Frühjahr 1990 – ein militärisches Eingreifen in Sachen Einheit.Am Ende fügte die Geschichte beide Staaten wieder zusammen. „Wir haben damals die Überzeugung gehabt, wir schaffen das. Wir haben nicht eine Sekunde gezweifelt“, so der Sicherheits-Experte. Die größte Angst sei gewesen, dass jemand mit einer Waffe in der Hand die Nerven verliere – egal ob NVA-Soldat, Besatzer oder Einwohner – „Das hätte in einem blutigen Chaos enden können.“ Ebenso unklar war damals, wie lange die Realisierung der Einheit dauern würde. „Man ging von 5 bis vielleicht maximal 10 Jahren aus“, so Teltschik. Am Ende waren es 329 Tage! ( cg1 | Meetingpoint Brandenburg )

Autor
Sven Pinke